Sonntag, 21.07.2013

Zum Abschluss noch einmal Santiago

Jetzt bin ich also wieder in Santiago, dort wo alles vor 4 Wochen begann. Der Kreis schliesst sich. Viele Gedanken schiessen mir durch den Kopf - die ersten Erlebnisse, die Zeit mit meinem Vater... Was waren die nachhaltigsten Eindrücke? Würde ich jetzt noch allein weiterreisen wollen? Freue ich mich auf zu hause?

Morgen geht mein Flieger nach Europa, nach Deutschland, nach Berlin - nach hause.

Ich kann nicht sagen, was mir am besten gefallen hat - die Atacama, das Altiplano, La Paz, Valparaiso, die Osternsel... Jeder Ort hatte etwas Spezielles, hatte seinen Reiz und hat vor allem meine Erwartungen voll erfüllt. Vor allem ist abgesehen von der "Osterpanne" alle glatt gelaufen. Und die Autogeschichte verbuche ich mal unter "passiert" und gehört irgendwie dazu...

Ich glaube, es braucht noch etwas Zeit, um überhaupt voll zu begreifen, was ich da in den letzen Wochen abgereist bin.

Ja, ich freue mich aufs "Zu Hause" und auf meine Familie und meine Freunde aber trotzdem ist der Abschied komisch - ist mir doch alles hier schon irgendwie vertraut geworden... Ich komme bestimmt noch einmal wieder!!!

Bis bald

Ingo

Sonntag, 21.07.2013

Rapa Nui

So, nun liegt also auch die letzte Etappe meiner Reise hinter mir - mein knapp einwöchiges Abenteuer auf der Osterinsel - 3700km entfernt vom chilenischen Festland und 4000km von Tahiti.

Diese knappe Woche sollte es wirklich in sich haben - aufregend, beeindruckend und turbulent.

Es begann alles damit, dass ich nach einer kurzen Nacht im Airporthotel in Santiago noch etwas übermüdet auf das boarding in meine "Osterferien" wartete. Auf einmal wurde ich ausgerufen... Ich dachte schon: "na toll irgendwas stimmt nicht - musste ja kommen, wo bis jetzt doch alles so super lief... " Jedenfalls stimmte alles - ich bekam - warum auch immer - ein upgrade und flog in der Premium Business Class auf die Osterinsel. Für 5 Stunden das ganze Verwöhnprogramm - herrlich. Der Flug hätte auch gern länger dauern dürfen....Lachend

In Hanga Roa, der Hauptstadt oder besser gesagt, dem Hauptdorf, na jedenfalls dem einzige Ort auf der Insel wurde ich gleich von meinen "Herbergseltern" abgeholt. Das Hotel habe ich zum Schnäppchenpreis bei booking.com geschossen. Das gesparte Geld habe ich dann in die Miete für nen 4x4 Suzuki gesteckt. Allerdings wies mich der Vermieter auf meine Nachfrage auch gleich darauf hin, dass es auf der Osterinsel keine KFZ-Versicherung gibt - Jeder zahlt, was er verbockt. Naja, der Wagen war äußerlich ne ganz schöne Möhre - mehr Beulen als alles andere  - aber er fuhr gut ...

Jedenfalls bin ich gleich los zum Rano Kau Vulkan mit seinem beeindruckenden Krater und dem archäologischen Dorf Orongo auf dem Kraterrand, wo der Vogelmannkult vollzogen wurde (wer den Film von Kevin Kostner gesehen hat). Gegen Abend zogen dann, wie vorrausgesagt, Gewitter und Starkregen auf. Meine Scheibenwischer, mein Licht funktionierten irgendwie nicht richtig, das Gebläse auch nicht. Es war bereits dunkel. Ich wusste nicht so richtig, welche Strassen ich zum Hotel nehmen musste, hielt an - und Feierabend - Batterie alle. Da stand ich nun mitten im strömenden Regen... Zum Glück war nebenan gleich ne Werkstatt, dessen freundliche Mitarbeiter mir halfen, die Kiste auf den Hof zu schieben und den Vermieter anriefen. Der hat dann mit nem Starthilfekabel die Karre wieder flott gemacht. Ich war jedenfalls erstmal klitschnass... und voll bedient...

Das schlechte Wetter hielt dann gepaart mit teilweise sturmartigen Böen anderthalb Tage an... Keine Sonne war zu sehen - und das in der Südsee...

Nach einer sehr stürmischen Nacht war dann am dritten Tag endlich die Sonne da und ließ meine Stimmung gleich deutlich ansteigen. Ich habe den ganzen Tag genutzt, um die Highlights der Insel abzufahren. Und dann geschah, was geschehen musste: Die Scheibenwischerdüse funktionierte nicht richtig - das Wasser düste wohin es wollte, nur nicht an die Scheibe. Also hielt ich an, um sie vielleicht etwas zu korrigieren. Ich öffnete die Tür, eine Windböe erfasst diese von hinten und knallt sie voll durch... Toll Tür verzogen, Beule im Kotflügel - sch...ße... Meine Stimmung war im A... Ich bin sofort zum Vermieter, der mit mir zur Werkstatt  - 200 Euro für mich! Ich war sauer, wusste nur nicht, auf wen am meissten. Auf mich oder auf den Verleihtypen, der mich da bestimmt schön abgezockt hat. In Deutschland hätte der Schaden bestimmt mehr gekostet, aber der Typ lässt das Ding nie vernünftig reparieren, so wie die Kiste aussah. Naja, ich konnte ihn noch um 10.000 Pesos (15 Euro) runterhandeln und musste die Pille dann schlucken. Nach ner schlechten Nacht beschloss ich dann das Thema abzuhaken und mir nicht den letzten Tag zu versauen. Bin dann nochmal schön zum Sonnenaufgang zu den 15 Moais auf dem Ahu Tongariki, zum Rano Raraku (dem Moai - Steinbruch) und zum Sonnenuntergang zum Ahu Tahai mit seinen 5 Moais. Am Abend habe ich mir dann im "Kino" im Hotel Mantawai den Rapa Nui - Film von kevin Kostner angesehen, der die Geschichte der Rapa Nui - Kultur erzählt und an Originalschauplätzen der Insel spielt.

Tja, das waren sehr intensive, turbulente aber auch beeindruckende und ergreifende Tage. Die kleine Insel ist voll von archäologischen Highlights. Hatte ich im Vorfeld überlegt, ob nicht auch 2 volle Tage (ohne Hin- und Rückflug) auf der Insel reichen würden, muss ich sagen, die 3 Tage waren schon sinnvoll und auch notwendig, um alles zu sehen.

Gestern ging es dann wieder zurück nach Santiago - standesgemäß in der economy...

Sonntag, 14.07.2013

La Paz

So, nun bin ich also in La Paz, der am höchsten gelegenen Hauptstadt der Welt. Schon der Anflug auf den mit 4060m höchsten Verkehrsflughafen der Welt war ein Erlebnis. Zunächst konnte ich im 40minütigen Anflug von Arica noch einmal die volle Schönheit der Anden, des Altiplano bewundern. Ich hatte einen Sitzplatz am Fenster der rechten Seite und konnte somit mit den Augen noch einmal die gesamte Route in den Lauca- NP nachziehen... einfach nur gigantisch, das Altiplano, die Vulkane...

Der Flughafen in El Alto, dem oberhalb des Kessels, auf dem Altiplano gelegenen Stadtteil von La Paz, überraschte mich zunächst, hatte ich ihn mir doch viel größer vorgestellt. Aber er hat wirklich nur die Größe eines kleineren deutschen Provinzflughafens. Das hängt wohl damit zusammen, dass nur wenige Fluggesellschaften La Paz anfliegen. Piloten benötigen hier eine Spezialausbildung. Der Start- und Landeweg der Flugzeuge beträgt aufgrund der dünnen Luft bis zu 5km.

Das Auschecken war schnell erledigt, der Flughafenbus auch schnell gefunden - ein kleiner Minibus für 8-10 Leute... Gepäck aufs Dach geschmissen und ab gings in die Stadt. Unterwegs ständiges Aus- und Einsteigen. Man sagt dem Fahrer einfach wo er halten soll bzw. hällt den Bus einfach an der Straße an, wenn man zusteigen will. Fast der gesamte Verkehr funktioniert in la Paz auf diese Weise, mit Minibussen. Der Rest sind alte 50er Jahre Chevrolet-Busse... Die Strassen sind ständig verstopft mit Bussen jeglicher Bauart. In der Windschutzscheibe hängen zahlreiche Zettel mit Namen von Fahrzielen, aus den Fenstern werden diese ständig auf der Suche nach Kundschaft ausgerufen. Aber wer sich damit auskennt, kommt bestimmt gut klar und billig sind sie außerdem... Ich habe vorsorglich ein Hotel mitten im Zentrum gebucht und beschränke mich auf das Kennen des Airportbusses...

La Paz ist so ganz anders als Santiago, so richtig, wie man sich eine wuselige, latainamerikanische Stadt vorstellt - Verkehrschaos, laut, Schuhputzer und mobile Händler an jeder Ecke - aber auch viele Bettler und auch Klebstoffschnüffler -  chaotisch und doch irgendwie geordnet. Zu dem fällt auf, dass der Anteil indigener Bevölkerung in Bolivien viel größer sein muss als in Chile. Man sieht überall Frauen und Männer in den taditionellen Trachten und Kleidungen.

Santiago wirkt dagegen, abgesehen vom Verkehrschaos in der Rushhour, schon richtig europäisch gediegen und irgendwie langweilig.

La Paz ist auch optisch ein Erlebnis. Der Ursprung der Stadt liegt in einem Talkessel so um die 3500m hoch. Allmählich ist die Stadt durch den starken Zuzug vor allem indigener Bevölkerungsgruppen vom Lande, über die Ränder des Tals bis hoch aufs kalte und zügige Altiplano - die Hochebene - gewachsen. Dort, in El Alto liegt auch der Flughafen. Unten im Tal wohnen die Bessersituierten, in der Höhe die Armen und Neuankömmlinge... Das Panorama der Stadt ist imposant - vor allem wenn es dunkel wird und an den Hängen Millionen von Lichter angehen. Man denkt, man guckt in den Sternenhimmel - oder in ein Netz aus Lichter, dass man so bei uns über den Weihnmachtsbaum wirft...

La Paz ist ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, die sich in unterschiedlichen Vierteln wiederspiegeln. So gibt es gleich im Zentrum das Indioviertel, in dem sich riesige, für Touristen nicht immer so sichere Märkte befinden, auf denen man alles kaufen kann. So gibt es eine Straße, in der man alles für den guten und bösen Zauber kaufen kann. Dort hängen z.B. Lamaföten, die unter anderem Pacha Mama - Mutter Erde - für all die guten Gaben geopfert werden, indem man sie vergräbt... huuuu.

Das Sightseeing in La Paz ist für den normalen Mitteleuropäer eine anstrengende Angelegenheit. Es geht eigentlich fast immer steil bergauf oder bergab - und das bei Höhen im Talkessel von um die 3500m. Da geht die Pumpe schon ganz schön. Man muss immer mal wieder anhalten oder die Schrittfrequenz extrem verlangsamen - wenn das Kribbeln in den Beinen oder das leichte Schwindelgefühl kommt. Wird man auf der Straße augebraubt, hat man wohl keine Chance - hinterherrennen - vergiss es!

Ich hatte auch nicht so ne super gute erste Nacht - weiß allerdings nicht, obs am Verkehrslärm von der Straße kam oder ob mein Kreislauf ein bissl rumgezickt hat - könnte schon sein.

Heute wollte ich mal clever sein und mir ein paar Wege sparen. Haben mir eine anderthalbstündige Stadtrundfahrt gebucht. Hat zwar wie alles hier nicht viel gekostet - aber es wird gerade ein Stadtjubiläum gefeiert - richtig groß mit Fanfarenumzügen und so... und dazu der normale Stau... Jedenfalls saß ich die ganze Zeit im Bus, der stand und hupte, ich hatte nicht ausgeschlafen und zudem vergessen, den frisch geladenen Akku in meine Kamera einzulegen. Letztlich bin ich nach anderthalb Stunden und noch nicht viel Wegstrecke wieder ausgestigen, ins Hotel gelaufen und habe erstmal Mittagschlaf gemacht... Das Beste an der Tour war die Erklärung für die Lamaföten, die ich am Tag zuvor gesehen habe...na immerhin.

Am Nachmittag habe ich dann die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten zu Fuß erkundet und habe mir für 4,50 Euro auf dem Indiomarkt eine Regenjacke gekauft. Ich war nähmlich so clever und habe Papa meine wasserdichte Jacke zur Reduzierung meines Gepäcks schon nach Deutschland mitgegeben... und naja, an meinen ersten beiden Ostertagen solls regnen... Dann habe ich unter äußersten physischen Anstrengungen einen Aussichtspunkt erklommen, von dem man einen fantastischen Blick über die Stadt hat. Von dort aus habe das Olympiastadion von La Paz gesehen - Olympiastadion, Olympia  - hee... ??? Ich bin nun top ausdauerhöhentrainiert.

 

Jetzt mache ich hier Schluss und gehe noch was essen. Irgendwie muss ich die restlichen Bolivianos noch loswerden. Morgen fliege ich zurück nach Santiago, übernachte am Flughafen und fliege gleich Montag früh nach Hanga Roa wo ich mir dann bis Freitag Moais angucken werde.

Freitag, 12.07.2013

Im beeindruckenden Lauca Nationalpark

Eine Sehenswürdigkeit, die ich mir im hohen Norden auf keinem Fall entgehen lassen wollte, ist der Lauca-Nationalpark, hoch im chilenischen Altiplano, in der Region Parinacota, nahe der Grenze zu Bolivien.

Ich habe mich dann auch gleich nach Ankunft in Arica nach Touren erkundigt. Gern hätte ich eine Tour über mehrere Tage gebucht. Jedoch werden saisonbedingt, aufgrund der schwächeren Touristenzahlen im chilenischen Winter meist nur 1-Tages-Touren angeboten. Eine 3-Tages-Tour startete am Tage meiner Ankunft - Pech. Ich hatte also die Wahl: Weiter hoch nach Putre, der "Hauptstadt" (ist ein Dorf) des Parinacota und gucken, wie ich von dort weiter komme oder die knochenharte 1-Tagestour machen, noch ein, zwei Tag in Arica entspannen und dann weiter.

Letztlich habe ich mich für die zweite Variante entschieden, Das heißt: Abholung 7.30Uhr vom Hostal und dann mit einigen Stops zur "Aklimatisierung" bis Mittag (nach ca 150km) vom Meeresniveau rauf auf 4570m zum mehr als imposanten Lago Chungara, dem höchsten See der Welt. Zurück in Arica waren wir gegen 21Uhr. 

Das ist natürlich für den Organismus der Hammer. Zum Glück hatte ich ein wenig Anpassung aus San Pedro, aber die Kopfschmerzen kamen und jeder Schritt zu schnell in der Höhe ließen es in Kopf und Beinen ordentlich kribbeln. Da half aber ganz gut der Koka-Tee in der Frühstückspause und auch spater nochmal am See. Koka-Blätter kann und darf man in Chile überall kaufen und verkaufen nur aus- oder einführen ist bei hohen Strafen verboten.

Aber zurück zum Lauca NP: Schon der Blick über Putre (auf 3500m) ist überwältigend. Das entspannte, hübsche Dorf liegt zu Füßen des imposanten Taapaca-Vulkans. Erst recht gefangen hat mich dann jedoch der Lago Chungara vor den imposanten Parinacota (6340m) und Pomerape (6240m). Auf dem Weg dorthin konnte man zahlreiche Vicunas, aber auch Guanacos und die domestizierten Lamas und Alpacas sehen. Sehr drollig sehen die Viscachas aus - wie kleine Kaninchen mit Eichhörnchenschwanz. Außerdem haben wir einen ganz seltenen Huemul (eine Hirschart) gesehen - das chilenische Wappentier. Auf dem Rückweg gigs es vorbei an der Laguna Cotacotani zu einem kurzen Besuch des Dorfes Parinacota und zum Essen samt Dorfbesichtigung nach Putre.

Abgesehen vom physischen Stress des Tages gab es eine absolute Überdosis an tollen, unvegesslichen Eindrücken aus der tollen Bergwelt der Anden.

So, wie geht es nun weiter? Nach dem heutigen entspannten Tag in Arica und am Strand fliege ich morgen mal fix rüber nach La Paz (40min). Danach gehts mit dem Flieger zurück nach Santiago um mir von dort aus zum krönenen Abschluss die Osterinsel zu gönnen - wann wenn nicht jetzt...???

Freitag, 12.07.2013

Allein weiter nach Arica

Mit unserem gemeinsamen persönlichen Highlight - San Pedro in der Atacama - endeten die 2 Wochen Chile mit meinem Vater. Wir haben uns in Calama, einer trubeligen Atacamabergbauwüstenstadt Lächelnd (schönes Wort) verabschiedet. Er flog nach Santiago, von wo aus er einen Tag später die Heimreise antrat, und ich fuhr mit dem Nachtbus weiter nach Arica, der nördlichsten Stadt Chiles, am Pazifik gelegen.

Tja, das war auf einmal etwas komisch so allein weiter zu reisen. Da kam dann schon ein Hauch von Melancholie auf... Aber zum Glück half mir da TurBus (das Busunternehmen) mit seinem Nachtfernsehprogramm recht schnell darüber hinweg... Zunächst lief 2 Stunden lang ne DVD mit Musikvideos und live-Mitschnitten von Marc Anthony (so'n Latino-Schnulzensänger) - und das in einer unregulierbaren Lautstärke, dass selbst meine Oropax nix halfen. Muß der Lieblingssänger vom Boardsteward sein, der hat immer fleißig mitgeträllert. Ich kenne jetzt alle Songs auswendig. Als die DVD mitten in der Nacht endlich zu Ende war, hat das wohl niemand mitbekommen. Jedenfalls dudelte der Opener der DVD noch bestimmt ne halbe Stunde in der Endlosschleife... das war Folter pur. Noch schlimmer als das Musikprogramm der letzten Busfahrt - "Das Beste der 70er, 80er, 90er und von heute", aber von jedem Song nur max. 30sec - und das als Hitmix in der Endlosschleife...stundenlang...

Ich bin dann etwas müde sehr früh in Arica angekommen, habe mein sehr schönes und sauberes Zimmer im Hostal (Jardin del sol) bezogen, das von einem sehr aufmerksamen und liebevollen Ehepaar geführt wird, und habe mir die Stadt angeguckt und abgeklärt, welche Möglichkeiten für einen Besuch des Lauca NP bestehen.

Arica, auch als Stadt des ewigen Frühlings bezeichnet, begrüßte mich mit Sonnenschein und angenehmen 20 Grad. Die Stadt ist sehr lebendig und quirlig, macht aber doch einen herrlich entspannten Eindruck. In den Fußgängerzonen gibts viel grün und viele Palmen. Der Pazifik lockt mit schönen Stränden und vom Hausberg, dem Morro, hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt, den Hafen und natürlich das Meer samt untergehender Sonne. Vom Morro kann man auch die Kolonie der Kondore (?) oder anderer Greifvögel beobachten und im Hafenbecken spielten Robben an der Wasseroberflaeche.

Freitag, 05.07.2013

Ab in die Wüste

Nach rund 18stündiger Busfahrt sind wir endlich in San Pedro mitten in der Atacama-Wüste angekommen. Für die Busfahrt hatten wir dieses Mal die Kategorie Cama gebucht, dass heißt wir hatten richtig bequeme Schlafsessel und konnten somit die lange Fahrt einigermaßen ertragen.

San Pedro empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und etwas über 20 Grad. Als ich das ehemalige Indiodorf betrat, fühlte ich mich irgendwie in meine frühen Backpackerzeiten zurück versetzt. Überall die üblichen Rucksackträger im entsprechenden Alter und andere lässige Typen, Hostels und die entsprechenden szenig-chilligen Bars und Restaurants. Die Architektur der Häuser oreintiert sich stark am traditionellen Stil der Adope Indianer.

Auch wir hatten dieses Mal ein Hostel gebucht, mit Bad auf dem Gang. Die Preise orientieren sich hier an der Beliebtheit der Location und deren Insellage inmitten der Wüste. Aber entgegen den Befürchtungen haben wir es echt gut getroffen. Alles sauber, sogar mit califaction [Heizung[ und internet im Haus, saubere Küche... Hier werden wir es die nächsten 4 Nächte aushalten.

Am Nachmittag haben wir gleich mit einer sundowner-Tour ins Valle Luna zugeschlagen. Und, wir wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil... Traumhafte Felsformationen vor fantastischer Vulkankulisse und ständig wechselnde Farben in der untergehenden Sonnen... Ich bin gefangen.

Vallle Luna

An zweiten Tag haben wir erst einmal richtig ausgeschlafen und die Tourangebote der unzaehligen Anbieter gecheckt. Letztendlich unterscheiden sich aber die Touren und Preise nicht wirklich wesentlich. Wir haben dann für den Nachmittag eine Tour zur Laguna cejar, den Ojos de salar und zur Laguna Tebinquiche in der Salar de atacama (der grossen Salzpfanne) gebucht. In der Laguna cejar kann man sich aufgrund des hohen Salzgehaltes des Wassers wie im Roten Meer treiben lassen. Die Ojos de salar sind zwei Frischwasserbecken, in denen man auch schwimmen kann (war aber zu kalt) und an der Laguna Tebinquiche haben wir bei nem Snack und nem Drink den herrlichen Sonnenuntergang genossen.

Am dritten Tag haben wir uns dann endlich in die Höhe gewagt. Nach dem Besuch der Laguna chaxa inklusive Flammingobeobachtung sind wir zu den Lagunas Miscanti und Minique, benannt nach den gleichnamigen Vulkanen, auf eine Höhe von 4300m gefahren. Das Atmen war dort schon etwas ungewöhnlich und jeder Schritt viel etwas schwerer. Der Anblick beider Lagunen war absolut umwerfend...

Am letzten Tag in San Pedro musste ich bereits 4 Uhr aufstehen (Vater nahm sich frei) um zu den Taio Geysieren in einem Vulkankrater auf 4300m zu fahren. Das Schauspiel ist zum Sonnenaufgang am beeindruckendsten. Dort oben herrschten gegen halb 8 so um die 10 Grad minus. Das Baden in den angeschlossenen OpenAir Thermalquellen erübrigte sich für mich allerdings bei den Temperaturen... Trotzdem war auch dieses Naturschauspiel mehr als beeindruckend.

Morgen geht es für meinen Vater nach gut zwei Wochen über Calama per Flug zurück nach Santiago, von wo dann am 9.7. der Flieger nach Europa startet.

Ich werde morgen nach langen Überlegungen doch wie geplant in Richtung Arica, hoch im Norden Chiles aufbrechen und gucken, was für die letzten knapp zwei Wochen noch geht. ich denke, ich brauche jedoch erstmal eine kurze Auszeit und werde sicher in Arica zunächst einen Tag ganz entspannt am Meer verbringen... Alles Andere wird sich zeigen...

Mittwoch, 03.07.2013

La Serena

La Serena, 7 Busstunden nördlich von Valparaiso ist für 3 Tage unsere nächste Location auf dem Weg gen Norden. Die Stadt liegt wunderschön am Meer und besticht durch ihre tolle Altstadt, die zum größten Teil noch kolonial bzw. neokolonial geprägt ist, d.h. man findet jede Menge alter Kirchen und Straßenzüge die kolonialen Charme austrahlen. Die Altstadt zeigte sich quirlig mit all den Menschen in den Fußgängerzonen und den velen Geschäften und Marktständen.

Nach der obliagorischen Stadtbesichtigung zog es uns am ersten Tag an Meer, in den Teil der Stadt, der im Sommer von Menschen überquillt. Uns erwartete bestes Strandwetter - Sonne pur, blauer Himmel und 19Grad im Schatten. Der Strand jedoch war fast menschenleer, ausgenommen ein paar Fischer, die ihr Netz einholten. Auch die übliche Infrastruktur eines Badeortes war nicht vorhanden. Wir bekamen am Strand nicht einmal einen Kaffee.  

Für den Abend hatten wir eine Tour in das Mamalluca-Observatorium bei Vicuna (70km entfernt) gebucht. Dieser Abend gestaltete sich wirklich zu einem Highlight. In Chile befinden sich 80% aller Teleskope weltweit, die meisten davon aufgrund der klaren Luft in der Nähe von Vicuna und in der Atacama.

Durch das Teleskop konnten wir unter fachkundiger Anleitung den Saturn mit zwei seiner Monde beobachten, die Doppelsterne Alpha und Centauri, das Kreuz des Südens sowie diverse andere Sterne. Zudem wurden uns ausfürlich die Sternbilder der Südhalbkugel erklärt... Hätte ich nicht schon Ähnliches im australischen Outback erlebt, würde ich behaupten, ich hätte noch nie so viele Sterne am Himmel gesehen - wow.

Heute haben wir mit reginalen Kleinbussen, den mikros, eine Tour ins Valle Elqui unternommen (120 km von La Serena). In diesem Tal wurde die Literatur-Nobelpreis-Trägerin Gabriela Mistral geboren und ihr wird hier allerorts gehuldigt. Auf dieser Tour ging es richtig rein in die Anden. Der Anblick der schroff aufragenden Berge war beeindruckend, auch wegen dem Farbenspiel und der Wechselwirkung mit dem azurblauen Himmel! Einfach der Wahnsinn und nur zu empfehlen. Wer mehr Muße und Zeit hat, kann hier auch in jedem kleinern Dorf problemlos eine Übernachtung finden (zumindest im Winter) und herrliche Wanderungen unternehmen. Schon dies wäre ein Grund wieder zu kommen... 

Morgen geht es weiter in die Atacama-Wüste nach San Pedro de Atacama. Uns stehen 16h Busfahrt bevor...

Montag, 01.07.2013

Heriberto und der dicke Bayer

Von Valparaiso aus haben wir in einer Tagestour wie geplant den Imker Heriberto in Limache besucht - eine flüchtige Bekanntschaft meines Vaters aus eine Anzeige in der Bienenzeitschrift.

In Limache angekommen, holte uns Heriberto von der Metro-Station ab und wir fuhren zu einem seine 4 Bienenstände. Insgesant besitzt er an die 300 Völker (mein Vater so 20)!

Heriberto ist deutschstämmiger Chilene und lebt in der 4. Generation in Chile. Sein gutes Deutsch hat er in der kirchlichen Gemeinde und bei diversen Studienaufenthalten in Deutschland gelernt. Er ist eine recht skurrile Erscheinung - echter Lebemann, sehr locker mit Sinn für nen eigenwilligen aber guten Humor. Wir haben den Tag viel gelacht.

Nach der Besichtigung seiner Bienen ging es zum Nationalpark La Campana und anschließend zum Kaffee zu seinem ebenfalls mehr als skurrilen Freund Wolfi der mit 59 aus recht misteriösen Umständen aus Deutschland ausgewandert ist und nun hier von seiner Rente lebt. Wolfi war in Deutschland selbstständiger Bankkaufmann oder Anlageberater... - naja, ein Schelm, der Übles dabei denkt...

Ausklingen ließen wir den Abend in einer ganz einfachen, typisch chilenischen Kneipe, in der ich dann auch meine Senora traf....

Freitag, 28.06.2013

Valparaiso

Gestern sind wir nach rund 2-stündiger Busfahrt in Valparaiso, der dem Vernehmen nach schönsten Stadt Chiles angekommen. Aber die Stadt empfing uns mit Dauerregen... der während der gesamten Nacht und bis heute anhielt... Auch unser schönes Zimmer mit Panoramaaussicht auf Meer und Stadt konnte uns nicht so wirklich über unsere Enttäuschung hinweg trösten...

Die Fragen sind: Wird es jemals aufhören zu regnen? Und wenn nein? Werden wir dann stattdessen den Genuss dieses edlen lokalen Gebräus überleben...?

Es hörte dann doch gegen Mittag auf zu regnen und so wurde aus Malparadiso doch das in so vielen Reiseführern beschriebene Valparaiso, die schönste Stadt Chiles.

Valaparaiso ist die bedeutendste Hafenstadt Chiles und liegt zusammen mit der Schwesterstadt Vinar del Mar in einer grossen Bucht. Die Stadt erhebt sich auf vielen Hügeln (Cerros) über das Meer. Auf einem dieser Hügel hatten wir in einem B&B das tollste Zimmer, das man sich vorstellen kann - Dachgeschoss mit Panoramafenster (4m breit) und Blick über die ganze Bucht, samt Hafen und Stadt. Das war wie Kino - man hätte eigentlich den ganzen Tag dort sitzen und staunen können. Nur Papa hat am Anfang ein bissl gemurrt - befürchtete er doch jedesmal, den Weg auf den Berg und zurück zu Fuss absolvieren zu müssen. Aber hier gibt es eine andere sehenswerte Besonderheit. Die cerros sind mit der Unterstadt, dem Plan, durch verschiedene Ascensores (alte Fahrstühle bzw Zahnrad- oder Standseilbahnen) verbunden. Beeindruckend ist, wie sich die vielen kleineren und größeren Häuser der Altstadt an die Hänge schmiegen. Es ist toll durch die Gassen und Straßen in den Hügeln zu schlendern und dieses besondere Flair der Stadt zu atmen... Auch das Haus, indem Pablo Neruda eine Weile wohnte kann besichtigt werden und ist jeden Eintrittspeso wert. Der Besuch seines Hauses passt auch ganz gut in meine literarische Urlaubsbegleitung, da ich gerade die Autobiograhie von Neruda geniesse.

Leider musste ich am letzten Tag auch meine erste Leiche sehen... Ich schlenderte des Morgens duch den cerro bellavista um in den Gassen ein paar tolle Fotos zu schießen und sah dann auf einem Abstieg eine Gruppe Polizisten um einen orangenen Sack herum, unter dem zwei Füße und eine Hand herausguckten.... Naja, ich hoffe, der ist eines natürlichen Todes gestorben...

Freitag, 28.06.2013

Neues aus Santiago...

Während ich mir in den Anden die Zeit mit Skifahren vertrieb, hatte mein Vater auch in Santiago keinen Grund zur Langeweile. Seit einiger Zeit gibt es in Chile Studentenproteste, die sich für den freien Zugang zur Bildung einsetzen. Gestern eskalierte nun die Stituation in Santiago. Studenten randalierten bei einer Demonstration, zerstörten Haltestellen, warfen Steine auf Polizisten. Die wiederum mit Wasserwerfern und Tränengas antworteten... Aber keine Angst, Paps hat nicht in der ersten Reihe an der Seite der Studenten gekämpft, sonder nur die Übereste der "Schlacht" gesehen, die er ursprünglich auch aufgrund des Polizeiaufkommens für die Reste eines Verkehrsunfalls hielt. Die wahren Umstände habe wir erst am Abend (aus dem TV) erfahren und in einer Art friedlichen Protests in den Straßen des Zentrum erlebt. Punkt 21Uhr war ein eigentümlicher Lärm zu hören, als wenn hunderte Kinder gleichzeitig auf ihre Klanghölzer, Triangel usw. einschlagen. Aus zahlreichen Fenstern hielten Leute Töpfe und anderes Kochgeschirr und schlugen darauf ein... 

Übrigens scheinen die Chilenen ein sehr hundefreundliches Volk zu sein. Überall in Santiago streunen die Vierbeiner umher, liegen in der Sonne oder friedlich am Straßenrand. Immer wieder sieht man Hunde, die mit einem Stück Stoff bekleidet sind, ein Jäckchen anhaben ... ??? Nur ein Herrchen sieht man dazu nicht! Im Park habe wir heute zudem Hundehütten für die Streuner entdeckt, die dort offensichtlich aus Nächstenliebe zu den besten Freunden der Chilenen aufgestellt wurden...

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